Leben mit Multipler Sklerose (OE1 19.10.)

Soeben gehört und für SEHR GUT befunden!
Eine Gesprächsrund zum Thema MS, Erkennung, Diagnose, Behandlung usw.
Fr. Mag. Manuela Lanzinger könnte mein weibliches Pendant sein!
Zeitablauf und ihre persönliche Einstellung sind meiner extrem ähnlich!
Eine absolut empfehlenswerte Sendung, besonders für Neuerkrankte und Angehörige!

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Medizin und Gesundheit

Die Krankheit mit den 1000 Gesichtern

„Vielen Betroffenen sieht man die Krankheit, wenn sie gerade keinen Schub haben, nicht an. Die müssen sich dann oft anhören: Du schaust ja eh gut aus, ist ja eh alles in Ordnung mit dir. Nur weil der Kopf nicht schief hängt oder man nicht totenblass ist, glauben die Leute, es geht einem gut“, so unser Sendungsgast Manuela Lanzinger. 1997 traten die ersten Anzeichen dieser Erkrankung bei ihr auf. Es gab Phasen, da saß sie im Rollstuhl, dann konnte sie wieder selbstständig gehen. Nun benötigt sie einen Rollator. Szenen aus einer 20-jährigen Geschichte mit MS.

Faktor Geschlecht und fehlende Sonne

Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Frauen sind doppelt so häufig davon betroffen wie Männer. Die Krankheit wird meist im Alter zwischen 20 und 40 Jahren diagnostiziert. Weltweit sind schätzungsweise 2,5 Millionen Menschen von Multipler Sklerose betroffen. In Österreich leben rund 12.500 MS-Patientinnen und Patienten.
Interessanterweise nimmt die Erkrankungshäufigkeit mit der Entfernung vom Äquator zu. Deshalb lautet eine von mehreren Theorien, dass MS Folge eines Vitamin D Mangels sein könnte. Auch bei Kindern, die in jungen Jahren in Länder näher am Äquator ziehen, nimmt das Erkrankungsrisiko ab. Bei Erwachsenen ist das nicht mehr der Fall. Überhaupt wird vermutet, dass die Entstehung von MS neben einer genetischen Disposition auch mit Umweltfaktoren, denen man in früher Kindheit ausgesetzt ist, zusammenhängt.

Autoimmunerkrankung MS

Die Wissenschaft geht davon aus, dass Multiple Sklerose durch eine Fehlfunktion des Immunsystems bedingt wird. Körpereigene Abwehrzellen attackieren ohne ersichtlichen Grund die Myelinscheiden der Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark. Normalerweise töten die Abwehrzellen Bakterien oder Viren – in diesem Fall sind sie fehlgeleitet und greifen körpereigenes Nervengewebe an. Die Ausfälle sind am Beginn meist reversibel, wenn die Entzündung aufhört, kann sich die Nervenzelle regenerieren. Kommt es immer wieder zu solchen Attacken durch das Immunsystem, ist irgendwann die Reservekapazität erschöpft und die Beschwerden bleiben bestehen.
Erste Anzeichen von MS sind oft Sehstörungen und Gleichgewichtsprobleme. Die Symptome treten zumeist in Schüben auf – die Zeitspanne zwischen diesen wird mit Fortschreiten der Krankheit immer kürzer.

Drei Säulen der Therapie

Ein akuter Erkrankungsschub kann nur mit Kortison therapiert werden. Bei den meisten MS Betroffenen kommt zusätzlich eine immunmodulierende Basistherapie zum Einsatz. Diese Langzeittherapie soll eine Verlangsamung des Fortschreitens der Erkrankung bewirken und verhindern, dass Entzündungen entstehen. Im besten Fall reduziert sie auch die Zahl und Heftigkeit der Schübe deutlich. Da die Multiple Sklerose in unterschiedlicher Aggressivität an verschiedenen Stellen des Nervensystems auftritt, gibt es verschiedene Medikamente mit unterschiedlichen Nebenwirkungen zur Behandlung. Bis vor ein paar Jahren konnten diese nur injiziert werden, heute gibt es schon viele Präparate zum Einnehmen.

Begleitende Symptomatik

Zu den häufigen Symptomen von MS zählen Fatigue (chronische Abgeschlagenheit), spastische Paresen und Tremor, Gleichgewichtsstörungen, Schmerzen und kognitive Störungen. Zur Behandlung der einzelnen Beschwerdebilder werden symptomatische Therapien eingesetzt. Sie sollen die Lebensqualität der an MS Erkrankten verbessern und Folgeschäden vermindern. Physiotherapie und Ergotherapie werden eingesetzt, um motorische Defizite zu reduzieren. Logopädie wird bei Sprech- und Schluckstörungen angewandt. Zudem bilden Kraft- und Beweglichkeitstraining und Hippotherapie – also Bewegungstherapie auf dem Pferd – einen wichtigen Eckpfeiler in der Behandlung von PatientInnen mit Multipler Sklerose. Das Beste was MS Betroffene eigenständig machen können, ist – ein Ratschlag, der sich durch die ganze Medizin zieht – mehr Sport, nicht rauchen und sich ausgewogen ernähren.

Moderation: Univ.-Prof.in Dr.in Karin Gutiérrez-Lobos
Sendungsvorbereitung: Mag.a Sarah Binder.
Redaktion: Dr. Christoph Leprich

  • Leiden Sie oder jemand in Ihrem Umfeld unter Multipler Sklerose?
  • Wann wurde die Diagnose gestellt und wie verlief der Weg dorthin?
  • Vor welchen Schwierigkeiten stehen Sie im Alltag?
  • Wie äußert sich die Krankheit?
  • Welche Therapieformen wirken bei Ihnen oder Ihren Bekannten und Verwandten?

Reden Sie mit! Wir sind gespannt auf Ihre Fragen und Anregungen.
Unsere Nummer: 0800/22 69 79, kostenlos aus ganz Österreich.

Univ.-Prof. Dr. Fritz Leutmezer
Facharzt für Neurologie, Leiter der Multiple Sklerose Ambulanz am AKH Wien, Präsident der MS-Gesellschaft Wien
Medizinische Universität Wien
Universitätsklinik für Neurologie
Multiple Sklerose Ambulanz
Ebene 6A
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien
Tel.: 01 40400-31430
E-Mail
Fritz Leutmezer

Mag. Manuela Lanzinger
MS-Betroffene, im Vorstand der Österreichischen Multiple Sklerose Gesellschaft
Österreichische Multiple Sklerose Gesellschaft (ÖMSG)
Postfach 19
Währinger Gürtel 18-20
1097 Wien
Tel.: 0800 311 340
Erreichbarkeit Mo, Di, Do 09.00-14.00, Mi 09.00-16.00, Fr 09.00-12.00
ÖMSG

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