Meine MS und ich: 2016

2016:
Wir sind in der neuen Wohnung „angekommen“.
Da meine Frau ja im Handel arbeitet und noch immer Hochsaison ist im Jänner, liegt vieles was das auspacken und einräumen angeht, an mir und am Wochenende schuften wir zu zweit. Vorhangstangen, Bilder und Regale, werden von Freunden montiert und das Vorratskammerl vom Schwiegervater zweckmäßig mit weiteren Regalen ausgebaut. Nach und nach verschwinden die Kartons und ich kann mich freier in den Räumen bewegen. Es ist richtig wohnlich geworden und wir fangen an uns wohl zu fühlen. Im Vorraum wird noch eine Nische für einen Schuhkasten genutzt und das Wohnzimmer mit einem weiteren Glasschrank im selben Design ergänzt, fertig! Es war anstrengend aber es geht mir soweit gut, hab mir meine Kraft geschickt eingeteilt.
Im Jänner mache ich wieder mal ein paar Tage Innsbruck mit Freunden unsicher. Dabei gelingt es mir immer wieder etwas auszuspannen und Kraft und Ideen zu schöpfen.

Im Juni hab ich Kontrolluntersuchung im AKH, ich erhalte eine neue Ärztin, da Frau Dr. Brunner in den Bereich der Schlaganfälle wechselt. Fr. Dr. Drabauer stellt keine weiteren Veränderungen fest, sie hat sich gut in meinen dicken Ordner eingelesen. Allerdings gebe ich ihr bekannt, dass mein Gehvermögen inzwischen sehr nachgelassen hat. Eine Reha lehne ich diesmal ab aber ich ersuche sie um einen Verordnungsschein für einen Bewegungstrainer für Arme und Beine. Nach der chefärztlichen Bewilligung wird mir dieser, Wochen später bewilligt, von GKK und Land OÖ gemeinsam gesponsert, wobei die Restzahlung von rund € 1300.- statt den ursprünglich gedachten ca. € 2.100.- (Kostenpunkt ca € 3-500.-) deutlich geringer ausfällt als in den Jahren zuvor zu bezahlen gewesen wäre.

DANKE der OÖ GKK und dem LAND OBERÖSTERREICH!

Seitdem radle ich beinahe täglich auf meiner Loggia. Außerdem habe ich mir um € 300.- einen gebrauchten Rollstuhl mit Handbike-Vorsatz zugelegt, den ich zusätzlich nutzen kann. Er ist von der Größe her, fast auf den Zentimeter genau gleich wie mein persönlich angepasster und es macht Spaß mit dem Teil, auch wenn ich nicht alleine ein-/aussteigen kann. Aber meine Frau ist auch dazu schon eingeschult worden. Ach, was würde ich bloß ohne sie tun?

Als Belohnung für die Anstrengungen des Umzuges fahren wir im Juni eine Woche nach St. Johann auf Urlaub, Mein Schatz möchte wieder mal Berge seh´n.  Dort treffen wir auch unsere lieben Freunde wieder, die vor einigen Jahren von Linz nach Tirol zogen. Wir verbringen eine herrliche Woche in einem schönen, ruhigen Hotel der adeo Alpin Gruppe von Hermann Mayer und Rainer Schönfelder, barrierefrei versteht sich! (Nähere Infos dazu auf der Seite „Barrierefreies Reisen / Ziele“ unter Hilfe, Service, Angebote).

Der Sommer ist in der neuen Wohnung mit Wohnraumlüftung relativ gut auszuhalten.
Die ersten Besuche kommen und ich genieße die Gesellschaft sehr. Im September habe ich mein erstes Babybauch Shooting zu dem ich von einer lieben Freundin eingeladen wurde.
Es wurde ein wunderschöner Nachmittag und eine gelungene Serie, mit der alle glücklich und zufrieden sind. Eine Erfahrung mit lieben Menschen, die ich nicht missen möchte! Danke!

Ich beginne auch meine Website www.MSinLinz.at zu ergänzen und neu zu gestalten.
Neue Menüs und Seiten zum Thema Barrierefreiheit bezüglich Restaurants und Toiletten in der Stadt und auch Empfehlungen für Urlauber und Hotels, die ich persönlich besuchte, finden Einzug und werden auch von anderen Gruppen willkommen geheißen. Ich habe mich entschieden, mein Netzwerk weiter auszubauen und stelle Kontakt zum Netzwerk-Querschnitt, einer österr. Rollstuhlgruppe und der erfolgreichen Facebook-Gruppe „Linz isst“ her, wo ich ebenfalls einige Leute für die besonderen Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern interessieren kann. Zu allem Überfluss spiele ich auch in einer Kurzdoku mit Richard Schäfer mit, die bei der Verleihung eines Ehrenpreises für sein Engagement, gezeigt werden soll.

Ende September machen wir auch wieder mal Städteurlaub in Graz, ebenfalls in einem barrierefreien Hotel, zentral gelegen, mitten in der Stadt. Wir erforschen bekannte und uns noch unbekannte Plätze, treffen auch hier liebe Freunde zum essen und machen sogar einen Ausflug auf den Grazer Hausberg, den Schöckl, auf dem bereichsweise Wege, in Form von Holzstegen, angelegt wurden um den Berg barrierefrei erkunden zu können, zumindest einen erheblichen Teil davon. Schön war´s!

Was ich derzeit etwas verstärkt verspüre ist die viele Zeit, die ich alleine oder besser gesagt einsam bin. Trotz all meiner Interessen und Hobbys ist der Wunsch nach mehr Gesellschaft nicht so einfach zu verwirklichen. Ich sag mir immer, es lebt halt jeder sein Leben und besonders auch für kranke Menschen ist jeder Ausflug ein Aufwand und mit Anstrengungen verbunden. Eine Erkenntnis die ich persönlich jetzt auch mache, das geht schon am Morgen los im Bad und beim Anziehen und und und … Ich hab die Gemeinschaft mit Menschen immer geliebt und werde jedes Mittel ausreizen um wieder Menschen kennenzulernen, die mir gut tun und zu treffen.

Das FAZIT zu 2016:

  • Alles in allem hat sich meine Lebensqualität
    durch die neue Wohnung enorm verbessert!
  • Meine MS ist ruhig geblieben! Keine aktiven Herde, dank Gilenya!
  • Kraftverlust in den Beinen, erhöhter Rollstuhleinsatz
  • Bewegungstrainer erhalten
  • Viel Zeit für meine Hobbys und Besuch 😉

Ich bin guter Dinge und genieße mein Leben dank vielerlei Dingen,
die mir dankenswerter Weise zur Verfügung stehen!

EUCH ALLEN wünsche ich von Herzen weiterhin ALLES GUTE!
Danke für euren Besuch auf MSinLinz..at!

Euer
WOLF